Coaching für Projektleiter

Immer häufiger reagieren Unternehmen auf hohen Veränderungsdruck und schnelle Veränderungen, in dem sie mehr Projekte als in der Vergangenheit aufsetzen. Unabhängig von der Größenordnung der Projekte benötigen Projektleiter neben dem methodischen und fachlichen Handwerkszeug auch und v. a. Lösungskompetenz, um Projekte sauber aufzusetzen, zu reflektieren und erfolgreich abzuschließen. Die Arbeit mit einem systemischen Coach kann zu einem wichtigen Baustein für den Erfolg eines Projekts werden.

Welche Methoden kommen dabei zum Einsatz und kann ein Projektleiter sie auch in Eigenregie anwenden? Im Folgenden wird anhand von drei praktischen Fällen beschrieben, wie systemisches Coaching und seine Methoden in Projekten wirken. Projektverantwortliche können sich anhand dieser Beispiele ein Bild vom systemischen Coaching machen und beurteilen, ob sein Einsatz in ihren Projekten in Frage kommt.

DIE BIOLOGIE VON PROJEKTEN

Projekte sind menschliche Systeme. Sie besitzen eigene Nervenbahnen, Übertragungswege und Reizverarbeitungen. Was aber, wenn diese Projektsysteme kranken, wenn Übertragungswege gestört sind, Teammitglieder genervt reagieren, Arbeiten verschleppt werden oder die Schuld für Probleme immer anderen angelastet wird? Was tun, wenn das gesamte Projekt aus dem Ruder zu laufen droht? Immer mehr Unternehmen wenden sich in solchen Notsituationen an einen systemischen Coach.

Auch in großen Firmen wie Allianz, Metro, EADS oder DaimlerChrysler kommen zunehmend Coachs und systemische Techniken zum Einsatz. Grund für die Beauftragung eines systemischen Coachs sind in der Regel schlecht laufende Projekte, Konflikte unter den Projektmitgliedern oder gar das Bestreben des Auftraggebers, das Verhalten einzelner Mitarbeiter zu ändern. Unabhängig vom konkreten Problem geht es letztendlich immer darum, bessere Projektergebnisse zu erzielen.

DAS ZUSAMMENSPIEL IM BLICK

Beim „normalen“ Coaching steht der einzelne Mitarbeiter im Vordergrund. Das Coaching begleitet ihn auf dem Weg hin zu einem bestimmten Ziel. Systemisches Coaching wird hingegen angewendet, wenn ein Einzelner mit besonderem Bezug auf ein ganzes System z.B. ein Projekt weiter entwickelt werden soll. Auch wenn der systemische Coach nur eine einzige Person coacht, muss er die Wechselwirkungen zwischen dieser Person und dem Verhalten der anderen Mitglieder des Systems betrachten. Der Coachee gilt dabei als Experte für seine Probleme und Lösungen, der Coach als Experte für den Weg zum Finden der Lösung. Er führt den Coachee durch geeignete Fragen und Methoden zu nachhaltigen Erkenntnissen und regt ihn dazu an, seine Einstellungen und Verhaltensweise zu ändern. So soll es dem Coachee ermöglicht werden, das gewünschte Ergebnis zu erreichen, z. B. eine bessere Arbeitsorganisation

Der systemische Coach muss sich bei seiner Arbeit einen neutralen Blick bewahren und darf sich nicht in inhaltliche Projektfragen verwickeln lassen. Die Qualität eines systemischen Coachs hängt deshalb insbesondere davon ab, inwieweit

  • er Coachees in einem Projekt wertschätzend begleitet
  • er die Beziehungen zwischen den Projektmitgliedern interpretieren kann
  • er die Muster in der Zusammenarbeit und den Verhaltensweisen der Teammitglieder erkennen und das Verändern und Aufbrechen dieser Muster anregen und begleiten kann
  • die Teammitglieder ihm Vertrauen entgegenbringen und sich zu neuen Sichtweisen und Verhaltensweisen anregen lassen.

Bei der Auswahl eines systemischen Coachs sollte man den Kandidaten schildern lassen, wie er diese Aufgaben in vergangenen Projekten bewerkstelligt hat. Gegebenenfalls kann man dafür auch eine Probesitzung vereinbaren.

Die systemischen Methoden sind das Rüstzeug eines systemischen Coachs. Von diesen Methoden eignen sich folgende besonders gut für den Einsatz in Projekten:

  • Wunder und Futur-2-Fragen
  • paradoxe Intervention
  • MitgehenMitgehen Führen Technik

Diese Methoden können auch Projektleiter oder Projektmitglieder für sich selbst und in Projekten anwenden. Voraussetzung ist eine entsprechende systemische Vorbildung und die persönliche Eignung.

Artikel aus „ProjektMagazin, Ausgabe 03/2006, Autor: Georg von Stein“ (Trainer für ML-spectrum)
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